Entscheidungen treffen: Warum uns Entscheidungen so schwerfallen

Entscheidungen treffen gehört zum Alltag. Viele davon beschäftigen uns kaum. Was esse ich heute? Wann erledige ich etwas? Welchen Weg nehme ich?

Andere Entscheidungen begleiten uns länger. Wir denken darüber nach, wägen Möglichkeiten ab, sammeln Informationen oder sprechen mit anderen Menschen darüber.

Trotzdem entsteht daraus nicht immer Klarheit.

Manchmal haben wir bereits vieles bedacht und wissen noch immer nicht, welchen Weg wir wählen möchten.

Warum Entscheidungen treffen so schwer sein kann

Bei wichtigen Entscheidungen kennen wir die Folgen meist nur zum Teil.

Wir können überlegen, was wahrscheinlich passieren wird. Erfahrungen helfen uns dabei, Möglichkeiten einzuschätzen. Trotzdem bleibt ein Teil offen.

Wie werde ich mich mit meiner Entscheidung in einem Jahr fühlen? Wird sich eine neue Situation so entwickeln, wie ich es mir vorgestellt habe? Welche Folgen habe ich vielleicht noch gar nicht bedacht?

Solche Fragen lassen sich im Voraus kaum vollständig beantworten.

Deshalb kann Nachdenken irgendwann an eine Grenze kommen. Die gleichen Gedanken tauchen wieder auf, Möglichkeiten werden erneut geprüft und die Entscheidung fühlt sich trotzdem nicht klarer an.

Vielleicht warten wir in solchen Momenten auf ein Gefühl von Sicherheit.

Das kann lange dauern.

Wenn schon das Sortieren schwierig wird

Für manche Menschen können Entscheidungen zusätzlich anstrengend sein.

Bei Neurodivergenz, zum Beispiel bei ADHS, kann es schwerfallen, verschiedene Möglichkeiten zu sortieren und zu gewichten. Viele Gedanken können gleichzeitig auftauchen. Neue Aspekte kommen hinzu und verändern wieder, was gerade wichtig erschien.

Auch bei Hochbegabung kann ein anderer Effekt eine Rolle spielen: Wer sehr viele Zusammenhänge, mögliche Folgen und Alternativen sieht, hat manchmal entsprechend viel abzuwägen. Aus einer zunächst einfachen Entscheidung können schnell zahlreiche mögliche Wege und Konsequenzen entstehen.

Schon die Frage, welche Information für eine Entscheidung überhaupt relevant ist, kann dann viel Kraft kosten. Der Entscheidungsprozess kann länger dauern oder irgendwann feststecken.

Eine hilfreiche Frage kann sein:

Was brauche ich tatsächlich noch, um diese Entscheidung treffen zu können?

Zweifel gehören dazu

Zweifel entstehen häufig dort, wo mehrere Möglichkeiten denkbar sind.

Sie können uns dazu bringen, genauer hinzusehen. Vielleicht entdecken wir einen Aspekt, den wir vorher übersehen haben. Vielleicht merken wir auch, dass etwas nicht zu unseren eigenen Vorstellungen oder Werten passt.

Manchmal kehren Zweifel allerdings immer wieder zurück.

Wir gehen dieselben Möglichkeiten erneut durch. Wir stellen uns dieselben Fragen. Irgendwann entsteht daraus kaum noch etwas Neues.

Dann lohnt es sich vielleicht zu fragen, wonach wir eigentlich noch suchen.

Nach einer weiteren Information? Nach mehr Zeit? Nach einem Gefühl von Gewissheit?

Auch das Aufschieben hat Folgen

Manche Entscheidungen brauchen Zeit. Es kann sinnvoll sein, eine Entwicklung abzuwarten oder weitere Informationen einzuholen.

Währenddessen geht das Leben weiter.

Möglichkeiten können verschwinden. Bedingungen können sich verändern. Andere Menschen treffen ihre eigenen Entscheidungen. Manchmal bleibt auch einfach alles so, wie es gerade ist.

Deshalb gehört für mich zum Nachdenken über Entscheidungen auch die Frage:

Worauf warte ich eigentlich noch?

Die Antwort darauf kann sehr unterschiedlich ausfallen. Vielleicht fehlt tatsächlich noch etwas Entscheidendes. Vielleicht braucht ein Gedanke einfach Zeit.

Vielleicht stellen wir auch fest, dass wir längst alles wissen, was wir im Moment wissen können.

Entscheidungen treffen mit Unsicherheit

Beim Entscheidungen treffen erreichen wir irgendwann einen Punkt, an dem wir die weitere Entwicklung nicht kennen.

Bis dahin können wir prüfen, abwägen, fragen und nachdenken. Unsere Werte, Erfahrungen und Prioritäten können dabei Orientierung geben.

Was anschließend geschieht, zeigt sich erst mit der Zeit.

Vielleicht spielt deshalb auch Vertrauen bei Entscheidungen eine Rolle. Vertrauen in die eigene Einschätzung, in die gewählte Richtung oder darin, später auf neue Entwicklungen reagieren zu können.

Auch das gehört zu einer Entscheidung: Wir treffen sie zu einem bestimmten Zeitpunkt und mit dem Wissen, das uns zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung steht.

Aus diesen Fragen entstand „Fragen an das Leben – Band 2“

Auch mein zweites Journal „Fragen an das Leben“ ist aus solchen Überlegungen entstanden.

Mich interessiert besonders der Weg bis zu einer Entscheidung.

Was beeinflusst mich? Was macht diese Entscheidung für mich schwierig? Welche Rolle spielen die Erwartungen anderer? Woran zweifle ich? Was ist mir wichtig?

Und irgendwann stellt sich die Frage:

Welchen Weg möchte ich wählen?

Das Journal gibt keine bestimmte Richtung vor. Die Fragen bieten einen Raum, die eigenen Gedanken zu sortieren und die eigene Position genauer anzusehen.

Was sagt das Ergebnis über eine Entscheidung aus?

Wenn einige Zeit vergangen ist, wissen wir mehr als in dem Moment, in dem wir uns entscheiden mussten.

Wir kennen inzwischen die Folgen. Dadurch verändert sich häufig auch unser Blick auf die damalige Entscheidung.

Vielleicht würden wir heute anders entscheiden. Vielleicht würden wir wieder denselben Weg wählen. Beides sagt auch etwas darüber aus, wie wir uns seitdem verändert haben und welche Erfahrungen hinzugekommen sind.

Zum Zeitpunkt der Entscheidung standen uns diese Erfahrungen noch nicht zur Verfügung.

Wir konnten nur mit dem entscheiden, was wir damals wussten, wahrnahmen und für wichtig hielten.

Vielleicht ist auch das eine Frage, die sich im Rückblick lohnt:

Was konnte ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt wissen?

Denn Entscheidungen entstehen immer in einem bestimmten Moment unseres Lebens. Erst danach erfahren wir, wohin sie führen.

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